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Weihnachtsgedanken 2006 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: christian   
Samstag, den 20. Juni 2009 um 19:51 Uhr

X-Nachten 2006

© Dezember 2006 by Christian Dorner

(gelesen auf www.moosebag.net)

 

 

 

 

Freitag Abend, einundzwanzig Uhr zweiundzwanzig und vierundzwanzig Sekunden des zweiundzwanzigsten Dezembers. Auf der A99 löst sich im Fahrtwind eine Schneeflocke vom Dach eines Lasters, der von den Alpen kommend, das Ziel München anfährt. Der hinter dem Laster fahrende Heribert Funke bemerkt die herunterschwebende Flocke und weicht, durch sein ADAC Fahrersicherheitstraining geschult, dynamisch nach links aus, um den Zusammenstoss zu vermeiden. Stolz darauf, in Bruchteilen von Sekunden zu realisieren, dass sein Popel Moneyga selbstverständlich durch den urplötzlich einsetzenden und gänzlich unerwarteten Wintereinbruch seitens der sommerseitigen gummierten Pneus in größter Gefahr schwebt, bemerkt er den hinter sich mit ca. 315 km/h herannahenden Cermedes Schbrinnder Cabrio XXL nicht rechtzeitig genug und gerät ob der von hinten aufflammenden Lichtschwerthupe ins Schleudern. Die Leidplanke ‚made in tschermany’ federt das Fahrzeug jedoch unbeschadet in den noch immer nach München fahrenden LKW, welcher, gegenlenkend, das Fahrzeug zwischen Führerhaus und Auflegerzug einklemmt, dabei nach links driftet und schließlich einmal quer zur Fahrbahn über die gesamte Fahrbahn zu Stehen kommt.

 

Beide Fahrer können grob unbeschadet die Fahrzelle verlassen und stehen wild gestikulierend und zweisprachig zwischen den endlich abgestellten Fahrzeugen, die ‚ein anderer beißt ins gras’ Melodie der sich nun immer mehr öffnenden und schließenden Fahrzeugtüren hinter sich ignorierend. Auf der Gegenfahrbahn halten die ersten vier Fahrzeuge hilfsbereit an, Imhirde Magman-Besser-Vorstadt allein schon auf Grund der erst voriger Woche absolvierter Erste-Hilfe-Kurs an der VHS Binzenheim, begierig darauf den Walldorfschen Ersthelfergriff evtl. am lebenden Objekt anwenden zu können. Der hinter ihr stehende Franz von Labrien notiert sich für alle Fälle die Kennzeichen sämtlicher am Unfallort beteiligten Fahrzeuge, wozu er den eben auf der Weihnachtsfeier erhaltenen SuperLonglife Kugelschreiber mit Parka Miene verwendet, der nach exakt dreikommazwei Metern keine Tinte mehr abgibt. Die beiden Fahrer sehen sich unverhofft und plötzlich einer ihnen entgegenkommenden Lawine des Unwohlwollens entgegengestellt und versuchen durch interpretiertes Darbieten einer deutsch-österreichischen Version von ‚Stiller die Glocken nie singen’ das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, was aufgrund der vorherrschenden Meinung das beide Fahrer die Körperöffnungen offensichtlich anatomisch unkorrekt ausgerichtet bekamen, gründlich daneben geht.

 

Durch den gleichzeitigen Versuch hunderter Handybenutzer, ihre äh-pluss Flachgebühr nutzend, die Autobahnpolizei zu informieren, bricht der von der Tee-Komm bereitgestellte Sendemast die Cell-Roaming ab und leitet die Anrufer ob der verbilligten Österreich-Wochendtarife nach Wien um, wo auf Grund der starken Sprachbarrieren nach wenigen Minuten auf Anrufbeantworter umgestellt wird, der permanent darauf hinweist, dass zum Zwecke der Qualitätsverbesserung das Gespräch evtl. mitgehört oder mitgeschnitten werden kann. Eine Gruppe von aufs Äußerste aggressiven Fahrzeuglenkern einer großen Elektronikkette erteilt sich den Redeanspruch und informiert die umstehenden über die bis zweiundzwanzig Uhr geöffneten Filialen, welche dringend beliefert werden müssten, um den im Werbeflyer angekündigten Sonderangebot ‚Nur Heute – Nur von 21:30 – 22:00 Uhr – JEDE selbstreinigende Vase mit LCD-Anzeige und USB-Anschluss für nur einen Euro. Pro Kunde max. zehn Stück’. Sorge tragen zu können. Unbeeindruckt erwidern die Kuriere der Habsburger B.U.N.D.espost die Pakete für Heilig Abend zustellen zu müssen, welche auf Grund des Stillstandes nun nicht mehr Rechtzeitig zum achtundzwanzigsten Dezember ausgeliefert werden könnten, wofür sich die Empfänger eindeutig bei den beiden unqualifizierten Fahrzeuglenkern bedanken könnten, welche sich ihrer Meinung nach äußerst umgehend beim ADAC für ein Fahrersicherheitstraining anmelden sollten.

 

Plötzlich mit der Straßenbahnmeisterei verbunden entspringt einer Fahrerin ein Freudenschrei welcher durch den Hinweis der Straßenbahnmeisterei auf die öffentlichen Parteiverkehrszeiten sanft niedergedrückt wird.


Die einem Kurier entrissenen Heizstrahler, die einer bekannten deutschen Baumarktkette geliefert werden sollten, ploppen nach dreissigsekündiger Heizstrahlung einmal kurz und gehen aus, da die mitgelieferten Gaskartuschen zum Sonderpreis von neun Euro neunundneunzig leider nur vorgefüllt waren.

Die Lage spitzt sich allmählich zu, nachdem auf der Gegenfahrbahn die ersten Schaulustigen-LaOla-Wellen-Contests ausgeführt werden. Die frisch gekürte Miss LaOla entschließt sich plötzlich und unerwartet für ein Weiterfahren zu voten, was auf Grund der manipulierten Wahlcomputer nach drei Wahlgängen mit 74% zu 45% demokratisch Entschieden aber von der Opposition angezweifelt wird. Der bis dahin unentdeckte Politiker Stettmund Oiber, der durch seinen Fahrer mitteilen lässt, dass Hilfe naht, nimmt spontan an einer improvisierten Podiumsdiskussion zum Thema Autobahnstandgebühren teil.

 

Einundzwanzig Uhr dreißig : Der inzwischen durch die Einnahme unfreiwillig gestifteter alkoholischer Getränke milde gestimmte Mob entdeckt einen Konvoi von dreizehn Sattelschleppern mit gestohlenen Weihnachtsbäumen, welche zu einem großen Feuer zusammengeschichtet werden.

 

Das österreichische Militär und die Feuerwache Stuttgart treffen ca. 30 Minuten später hinter der Unfallstelle ein. Da auf beiden Seiten vorschriftsmäßig das Reisverschlussverfahren angewendet wurde, ist ein Vordringen zur Unfallstelle unmöglich woraufhin die Aufklärungsgeschwader zur besseren Sicht Leuchtfeuer auf die Autobahn abwerfen.

 

Der Tauschring A99 legt eine positive Jahresbilanz vor woraufhin der Aktienkurs in Schwindel erregende Höhe schnellt und nur durch ein beherztes Eingreifen der Autobahnmeisterei kann ein feindliches Übernahmeangebot der Börnie-Ekel-Stone AG gerade noch abgewendet werden.

 

Einundzwanzig Uhr achtundfünfzig : Inzwischen wurden die in unbegrenzter Anzahl vorhandenen Pylonen einer kleinen Wanderbaustelle mit den zusätzlich vorhandenen 350W GazPromArgon Blitzlampen kombiniert an der Mittelleitplanke angebracht und von einem Elektriker an die Stromversorgung der Notruftelefonanlage angeschlossen, welche daraufhin bis einschließlich Hamburg auf StandBy-Betrieb umschaltet.

 

Das weithin sichtbare Weihnachtsbaumfeuer lässt eine australische Reisegruppe spontan das bereits zum starten fertige Flugzeug in München verlassen und sich dem bayrischen BurningMan Festival anschliessen, welche mit gecharterten Reisebussen von der linken Seite auf die Autobahn auffahrend an die richtige Seite des Unfalls ankommen.

 

Stettmund Oiber hat endlich Erfolg und die Polizeiinspektion Rosenheim übernimmt den R-Call, worauf hin Stettmund Oiber Bericht erstattet. Die Beamten notieren beflissentlich die in der Podiumsdiskussion erarbeiteten Milestones, die Agenda und die festgelegten Gebühren.

 

Zweiundzwanzig Uhr zehn : BILDerbuch tickert über den Äther die Schlagzeile für die brandaktuelle Sonderausgabe : ‚Längster Christkindlmarkt Deutschlands auf der A99’ woraufhin sich der umgehend gebildete Ethik-Sonderausschuss mit der Frage der Gleichberechtigung religiöser Gruppen befasst um etwaige Klageversuche im Keim ersticken zu können.

 

Zweiundzwanzig Uhr elf : Stettmund Oiber eilt zur Unfallstelle, an der inzwischen die B.U.N.D.eskanzlerin und der Vertreter von EOn eingetroffen sind und die ersten Fernsehinterviews geben.

 

Zweiundzwanzig Uhr zwanzig : Die von den Fernsehteams geforderte Bildumrahmung des Unfalls fällt auf Grund der fehlenden Unfallfahrzeuge aus – offensichtlich haben sich inzwischen beide Fahrzeuglenker mit den in den Unfall verwickelten Fahrzeugen von der Unfallstelle entfernt.

 

Zweiundzwanzig Uhr einundzwanzig : Die Polizeiinspecktion Rosenheim nimmt die Verfolgung der Fahrerflüchtigen auf. Während der Befragung an der Unfallstelle nehmen die Beamten von den zahlreich vorhandenen Zeugen Nahtoderfahrungen, Entführung durch Außerirdische und die Lottozahlen zum Samstag auf.

 

Dreiundzwanzig Uhr zehn : Der Stau hat sich komplett aufgelöst, nachdem die Polizei die Umleitung auf den nahe gelegenen IKEA-Parkplatz angeordnet hat und der schwedische Möbelmarkt allen Beteiligten einen Kötboljar-Teller zum halben Preis Anbietet.

 

 

Ich wünsche allen ruhige, besinnliche und schöne Weihnachten und – umgeht die A99 !

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 19. Dezember 2009 um 12:37 Uhr
 

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